Seit Apple seine eigenen M-Chips entwickelt, hat sich die Mac-Landschaft grundlegend verändert. Die ARM-basierte Architektur von Apple Silicon bringt beeindruckende Performance-Gewinne und eine deutlich bessere Energieeffizienz mit sich. Doch dieser Wandel von Intel-Prozessoren zu den M1-, M2- und M3-Chips stellt viele Nutzer vor eine wichtige Frage: Wie gehe ich mit meinen bestehenden Anwendungen um, die noch für Intel-Prozessoren entwickelt wurden?
Was ist Rosetta 2 und warum brauchen Sie es?
Rosetta 2 ist Apples Übersetzungstechnologie, die wie ein unsichtbarer Dolmetscher zwischen Ihrer alten Intel-Software und dem neuen Apple Silicon vermittelt. Die Software übersetzt Intel-Code in Echtzeit in eine Sprache, die Ihr M-Chip versteht. Das Besondere: Diese Übersetzung geschieht so nahtlos, dass Sie als Nutzer kaum einen Unterschied bemerken.
Beim ersten Start einer Intel-basierten Anwendung auf Ihrem Mac mit Apple Silicon erscheint eine Systemmeldung, die Sie auffordert, Rosetta 2 zu installieren. Rosetta 2 wird automatisch installiert, nachdem Sie der Aufforderung folgen. Dieser Vorgang dauert nur wenige Minuten und muss nur einmal durchgeführt werden. Danach arbeitet die Technologie komplett im Hintergrund, ohne dass Sie sich weiter darum kümmern müssen.
Der Performance-Unterschied: Rosetta 2 vs. native Apps
Hier wird es spannend: Obwohl Rosetta 2 erstaunlich gut funktioniert, gibt es messbare Unterschiede zwischen übersetzten und nativen Anwendungen. Native Apple Silicon Apps bieten bessere Performance und verbrauchen spürbar weniger Energie. Bei rechenintensiven Aufgaben wie Videobearbeitung mit Final Cut Pro, 3D-Rendering oder Softwareentwicklung in Xcode kann der Unterschied noch deutlicher ausfallen.
Beim ersten Start einer übersetzten App kann es zu einer Verzögerung kommen, in einigen Fällen bis zu 20 Sekunden, während Rosetta 2 den Code vorbereitet. Bei den folgenden Starts läuft die Anwendung dann flüssiger, allerdings bleibt der grundsätzliche Vorteil nativer Software bestehen. Die Akkulaufzeit Ihres MacBook verlängert sich mit nativen Apps merklich, und das Gerät bleibt deutlich kühler.
Ein praktisches Beispiel: Adobe Photoshop läuft unter Rosetta 2 durchaus flüssig und für viele Alltagsaufgaben völlig ausreichend. Die native Apple Silicon Version hingegen nutzt die Neural Engine des M-Chips optimal aus und beschleunigt KI-gestützte Funktionen wie den Objektauswahlbereich oder neuronale Filter erheblich. Auch die Adobe Creative Cloud insgesamt profitiert enorm von nativer Optimierung.
So erkennen Sie, welche Apps nativ laufen
Viele Nutzer wissen gar nicht, dass sie noch Intel-Versionen ihrer Programme verwenden, obwohl längst native Alternativen verfügbar sind. Die zuverlässigste Methode zur Überprüfung ist der Aktivitätsmonitor. Öffnen Sie ihn unter Programme und Dienstprogramme, klicken Sie auf die Spalte „Art“ oder „Architektur“, und dort sehen Sie die Bezeichnungen „Apple“ für native Apps und „Intel“ für übersetzte Programme.
Eine weitere Methode ist das kostenlose Tool „Silicon Info“ aus dem Mac App Store, das eine übersichtliche Liste aller installierten Programme mit ihrer jeweiligen Architektur anzeigt. Besonders praktisch ist die Funktion, die direkt anzeigt, ob Updates mit nativer Unterstützung verfügbar sind. So behalten Sie den Überblick über Ihre Software-Landschaft.
Die richtige Strategie für Ihren Software-Umstieg
Der Übergang zu nativen Apps sollte strategisch erfolgen. Nicht jede Anwendung verdient die gleiche Priorität. Konzentrieren Sie sich zuerst auf Programme, die Sie täglich nutzen und die rechenintensiv sind. Browser wie Safari, Chrome oder Firefox, Office-Anwendungen wie Microsoft Office, Kreativ-Software wie DaVinci Resolve oder Affinity Designer und Entwicklungsumgebungen stehen hier ganz oben auf der Liste.
Überprüfen Sie regelmäßig auf Updates. Viele Entwickler haben in den letzten Monaten nachgezogen und native Versionen veröffentlicht. Manchmal geschieht dies sogar still und heimlich im Rahmen regulärer Updates. Aktivieren Sie automatische Updates in den macOS-Systemeinstellungen oder prüfen Sie manuell alle paar Wochen, ob neue Versionen verfügbar sind.

Bei manchen Anwendungen müssen Sie die Intel-Version komplett deinstallieren und die native Variante neu herunterladen. Das gilt besonders für professionelle Software wie Logic Pro, die von Apple selbst stammen und bereits vollständig optimiert wurden. Der Aufwand lohnt sich aber definitiv.
Universelle Apps: Das Beste aus beiden Welten
Viele moderne Mac-Anwendungen kommen als sogenannte „Universal Apps“ daher. Diese enthalten sowohl Intel- als auch Apple Silicon-Code in einem Paket. Ihr Mac wählt automatisch die passende Version aus, Sie müssen nichts weiter tun. Diese Strategie hat sich als besonders nutzerfreundlich erwiesen und wird von den meisten großen Softwareherstellern wie Microsoft, Adobe und anderen bevorzugt.
Der einzige Nachteil: Universal Apps benötigen mehr Speicherplatz auf Ihrer Festplatte, da beide Versionen mitgeliefert werden. Bei knappem Speicher können Sie mit Tools wie „Monolingual“ oder direkt über das Terminal die nicht benötigte Intel-Version entfernen, allerdings ist hier Vorsicht geboten, da Fehler das Programm beschädigen können.
Wenn keine native Version verfügbar ist
Manche Entwickler haben die Unterstützung für ihre Software eingestellt oder arbeiten noch an einer Apple Silicon-Version. In diesen Fällen bleibt Rosetta 2 Ihre einzige Option. Die gute Nachricht: Für die meisten alltäglichen Anwendungen funktioniert das problemlos. Selbst ältere Spiele oder Nischensoftware laufen oft überraschend gut auf M1, M2 oder M3.
Bei absolut kritischer Legacy-Software, die unter Rosetta 2 Probleme macht, können Sie auch Virtualisierungslösungen wie Parallels Desktop oder UTM in Betracht ziehen. Diese erlauben es, eine komplette Intel-Umgebung zu emulieren, allerdings mit größerem Performance-Overhead. Für die meisten Nutzer ist das aber nicht notwendig.
Praktische Tipps für den Alltag
Terminal-Apps verdienen besondere Aufmerksamkeit. Wenn Sie Homebrew oder andere Kommandozeilen-Tools nutzen, sollten Sie sicherstellen, dass diese für Apple Silicon kompiliert wurden. Homebrew installiert standardmäßig die passende Version, aber manche Pakete existieren nur in Intel-Versionen und laufen dann langsamer unter Rosetta 2.
Browser-Plugins und Erweiterungen können ebenfalls betroffen sein. Chromium-basierte Browser wie Chrome, Edge oder Brave haben alle native Versionen, aber einzelne Erweiterungen könnten noch Intel-Code enthalten. Firefox hatte anfangs Probleme, ist mittlerweile aber vollständig optimiert und läuft flüssig auf Apple Silicon.
Bei Spielen zeigt sich der Unterschied besonders deutlich. Native Spiele-Ports nutzen die beeindruckende GPU-Leistung der M-Chips optimal aus, während Intel-Versionen unter Rosetta 2 deutlich mehr Energie verbrauchen und heißer laufen. Für ambitionierte Gamer lohnt sich hier die Recherche nach nativen Versionen oder die Nutzung von Apple Arcade, das ausschließlich optimierte Titel bietet.
Die Zukunft ist nativ
Apple hat bereits konkrete Pläne für die Zukunft von Rosetta 2 kommuniziert. Die Technologie wird in macOS 26 und macOS 27 vollständig unterstützt, aber mit macOS 28 nur noch eingeschränkt für ältere Spiele verfügbar sein. Der Umstieg auf native Software ist daher nicht nur eine Performance-Frage, sondern auch eine Zukunftssicherung für Ihren Mac.
Die meisten relevanten Softwarehersteller haben den Umstieg bereits vollzogen. Microsoft Office, Adobe Creative Cloud, Affinity Designer, DaVinci Resolve und unzählige weitere professionelle Anwendungen laufen mittlerweile nativ auf Apple Silicon. Die wenigen verbleibenden Intel-Apps werden immer mehr zur Ausnahme, und das ist auch gut so.
Nutzen Sie Rosetta 2 bewusst als Brückentechnologie, aber bleiben Sie wachsam für native Alternativen. Ihr Mac wird es Ihnen mit besserer Performance, längerer Akkulaufzeit und leiseren Lüftern danken. Die Investition in einen Apple Silicon Mac mit M1, M2 oder M3 entfaltet ihr volles Potenzial erst dann, wenn auch Ihre Software die neue ARM-Architektur optimal nutzt.
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