Diese 5 Gesten verraten sofort, dass du keine echte Führungskraft bist
Du stehst vor deinem Team, sagst alle richtigen Dinge – und trotzdem glaubt dir niemand so richtig. Willkommen im Club der unbewussten Selbstsaboteure. Denn während dein Mund von Vision und Vertrauen spricht, erzählt dein Körper eine völlig andere Geschichte. Und rate mal, welcher Version die Leute glauben? Spoiler: Es sind nicht deine wohlüberlegten Worte.
Der Psychologe Albert Mehrabian hat in den 1960er Jahren etwas Faszinierendes entdeckt: Wenn wir Gefühle und Einstellungen kommunizieren und dabei unsere verbalen und nonverbalen Signale nicht übereinstimmen, verlassen sich Menschen zu 55 Prozent auf das, was sie sehen, zu 38 Prozent auf den Tonfall und nur zu mickrigen 7 Prozent auf die tatsächlichen Worte. Das bedeutet nicht, dass Worte grundsätzlich unwichtig sind – aber wenn dein Körper „Ich habe keine Ahnung, was ich tue“ schreit, während dein Mund „Alles unter Kontrolle“ sagt, gewinnt dein Körper. Immer.
Die richtig guten Führungskräfte haben das längst kapiert. Sie haben gelernt, welche unbewussten Gesten sie als unsicher, desinteressiert oder inkompetent erscheinen lassen – und haben sie systematisch aus ihrem Repertoire verbannt. Nicht, weil sie Schauspielerei betreiben, sondern weil sie verstanden haben: Wenn deine Körpersprache gegen dich arbeitet, kannst du noch so brillant sein – niemand wird es bemerken.
Schauen wir uns die fünf größten Körpersprache-Fails an, die selbst smarte Menschen zu Amateur-Führungskräften machen. Und ja, du machst wahrscheinlich mindestens einen davon, ohne es zu merken.
Geste Nummer 1: Die verschränkten Arme oder „Ich baue mir gerade eine Mauer“
Das hier ist der absolute Klassiker. Du bist gestresst, vielleicht etwas nervös, und instinktiv verschränkst du die Arme vor der Brust. Fühlt sich gut an, oder? Wie ein kleiner Schutzpanzer gegen die böse Welt da draußen. Das Problem: Für alle anderen siehst du aus wie jemand, der gerade mental die Schotten dicht gemacht hat.
In westlichen Kulturen sind verschränkte Arme das universelle Zeichen für „Ich bin hier nicht wirklich dabei“ oder „Ich finde eure Ideen doof, auch wenn ich es nicht laut sage“. Wenn du also vor deinem Team stehst und über Innovation und offenen Austausch redest, während deine Arme fest verschränkt sind, sendest du ungefähr die gleiche Botschaft wie ein Restaurant mit dem Schild „Herzlich willkommen“, bei dem alle Türen verriegelt sind.
Die Forschung ist hier ziemlich eindeutig: Menschen mit offener Körperhaltung werden als kompetenter, durchsetzungsfähiger und vor allem vertrauenswürdiger wahrgenommen. Es geht nicht darum, dass du die ganze Zeit herumfuchtelst wie ein überdrehter Verkäufer. Aber die Arme als physische Barriere zu benutzen? Das ist der schnellste Weg, um Vertrauen zu zerstören, bevor es überhaupt entstehen kann.
Mach stattdessen das: Lass deine Hände locker vor dem Körper – etwa auf Höhe des Bauchnabels – oder nutze sie für ruhige, bewusste Gesten. Das fühlt sich am Anfang total komisch an, als würdest du nackt vor den Leuten stehen. Aber genau diese Offenheit ist der Punkt. Du signalisierst: Ich habe nichts zu verstecken, ich bin bereit für echten Austausch.
Geste Nummer 2: Der Blick, der überall ist – nur nicht bei der Person vor dir
Augenkontakt ist vermutlich die mächtigste Form der nonverbalen Kommunikation, die wir haben. Er sagt: „Du bist mir wichtig. Ich bin präsent. Ich höre wirklich zu.“ Das Gegenteil – also wenn deine Augen wie ein nervöser Schmetterling durch den Raum flattern – sagt das komplette Gegenteil.
Wenn du jemandem von einem Problem erzählst und die Person schaut währenddessen aufs Handy, aus dem Fenster oder irgendwo an die Decke, fühlst du dich unwichtig. Und genau das fühlt dein Team, wenn du beim Reden keinen Augenkontakt hältst. Selbst wenn du innerlich total fokussiert bist – dein wandernder Blick verrät: „Ich bin mit meinen Gedanken gerade woanders, und es ist mir wichtiger als du.“
In Zeiten von Remote-Work ist das noch komplizierter geworden. In Videokonferenzen musst du in die Kamera schauen, nicht auf die Gesichter auf dem Bildschirm, um echten Augenkontakt herzustellen. Schaust du stattdessen auf deinen zweiten Monitor oder deine Notizen, wirkst du distanziert und uninteressiert – auch wenn du gerade verzweifelt versuchst, dem Meeting zu folgen.
Mach stattdessen das: Halte Augenkontakt für ein paar Sekunden – nicht so lange, dass es creepy wird, aber lange genug, um echte Verbindung herzustellen. In Gruppensituationen verteile deinen Blick gleichmäßig. Jede Person sollte das Gefühl haben, dass du sie wirklich siehst, nicht nur als Teil der Kulisse wahrnimmst.
Geste Nummer 3: Die nervösen Hände oder „Mein Körper macht sein eigenes Stress-Konzert“
Jeder hat diese kleinen nervösen Ticks: Mit dem Stift klicken, an den Fingernägeln kauen, die Haare zwirbeln, ständig am Hemdkragen zupfen, mit dem Fuß wippen wie ein überdrehter Metronom. In entspannten Momenten fallen sie kaum auf. Aber wenn du als Führungskraft vor einer Gruppe stehst und versuchst, Souveränität auszustrahlen, sind diese Bewegungen wie leuchtende Neon-Schilder mit der Aufschrift: „Ich bin gerade mega gestresst und habe keine Ahnung, was ich mache.“
Psychologen nennen diese repetitiven Bewegungen „Adaptoren“ – Verhaltensweisen, mit denen wir versuchen, innere Anspannung zu regulieren. Das Ironische: Sie machen die Anspannung nicht unsichtbar, sondern für alle sichtbar. Wenn du versuchst, dein Team durch eine Krise zu navigieren, aber dabei ständig nervös mit den Händen fummelst, ist die Botschaft klar: „Wenn nicht mal ich glaube, dass wir das schaffen, warum solltet ihr?“
Das Verrückte: Menschen nehmen diese Signale auf, auch wenn sie es nicht bewusst registrieren. Deine nervöse Energie überträgt sich buchstäblich auf andere. Neurowissenschaftler führen das auf Spiegelneuronen zurück – Gehirnzellen, die aktiviert werden, wenn wir andere beobachten. Dein Stress wird zu ihrem Stress, ob sie wollen oder nicht.
Mach stattdessen das: Wenn du merkst, dass die nervöse Energie hochsteigt, atme tief durch und leg deine Hände bewusst irgendwo ab – auf den Tisch, vor deinen Körper. Ein Trick: Drücke deine Fingerspitzen sanft gegeneinander, als würdest du eine imaginäre Kugel halten. Das gibt deinen Händen eine Beschäftigung, die ruhig und fokussiert aussieht statt hektisch.
Geste Nummer 4: Die „Ist mir doch egal“-Haltung oder wenn Entspannung zu Desinteresse wird
Hier wird es paradox: Es gibt tatsächlich so etwas wie zu entspannt aussehen. Wenn du dich während einer wichtigen Diskussion lässig zurücklehnst, die Füße auf den Tisch legst oder die Hände hinter dem Kopf verschränkst wie in deinem Wohnzimmer, kann das extrem schnell als Arroganz oder Gleichgültigkeit interpretiert werden.
Die Körperhaltungsforschung zeigt: Eine leicht nach vorne geneigte Position signalisiert Engagement und Interesse. Eine zurückgelehnte Haltung hingegen wird oft mit Ablehnung, Langeweile oder einem Gefühl von Überlegenheit assoziiert. Klar gibt es Momente, wo eine entspannte Haltung genau richtig ist – wenn du bewusst eine lockere Atmosphäre schaffen willst. Aber wenn es gerade um etwas Wichtiges geht und du lümmelst dich im Stuhl wie ein Teenager, der zum x-ten Mal denselben Vortrag seiner Eltern hört, dann ist die Botschaft verheerend.
Besonders schlimm wird es, wenn deine Worte das Gegenteil sagen. „Dieses Projekt ist mir extrem wichtig“ verliert jede Glaubwürdigkeit, wenn du dabei aussiest, als würdest du gleich einschlafen. Dein Gehirn glaubt der Körpersprache mehr als den Worten – und das Gehirn deines Gegenübers auch.
Mach stattdessen das: Sitz aufrecht, aber nicht steif wie ein Besenstiel. Lehn dich bei wichtigen Punkten leicht nach vorne – das zeigt: „Das hier ist wichtig, und ich bin voll dabei.“ Gerade Wirbelsäule, aber entspannte Schultern. Diese Balance signalisiert gleichzeitig Autorität und Zugänglichkeit.
Geste Nummer 5: Das Gestik-Chaos – wenn du entweder eine Windmühle bist oder eine Statue
Dieser Punkt ist fies, weil er beide Extreme des Spektrums abdeckt. Manche Menschen gestikulieren wie besessen – jeder Satz wird von wilden Handbewegungen begleitet, als würden sie versuchen, ein Flugzeug zu landen. Andere stehen da wie eingefroren, als hätten sie Angst, dass jede Bewegung sie verraten könnte.
Beide Versionen sind problematisch. Zu viel Gestik wirkt unkontrolliert, lenkt ab und lässt dich hektisch erscheinen. Zu wenig Gestik macht dich roboterhaft, distanziert und irgendwie unheimlich. Die Kunst liegt in der Mitte – in bewussten, gezielten Gesten, die deine Worte verstärken, ohne sie zu übertönen.
Interessanterweise zeigen Studien, dass Menschen, die ihre Hände beim Sprechen nutzen, als charismatischer und überzeugender wahrgenommen werden – solange die Gesten natürlich und zur Botschaft passend sind. Die besten Führungskräfte setzen ihre Hände gezielt ein: Eine offene Handbewegung zeigt Inklusivität, eine ruhige, nach unten gerichtete Geste beruhigt, eine nach oben gerichtete Bewegung vermittelt Optimismus und Aufbruch.
Mach stattdessen das: Finde deine persönliche Balance. Nimm dich auf Video auf – ja, es ist unangenehm, sich selbst zuzuschauen, aber es ist die effektivste Methode. Bist du ein Fuchtler? Reduziere deine Bewegungen auf die wirklich wichtigen Momente. Bist du eine Statue? Übe, deine Hände bewusst für Betonungen einzusetzen. Nicht jeder Satz braucht eine Geste, aber die wichtigen Punkte sollten sie bekommen.
Warum das keine Schauspielerei ist, sondern Selbstkenntnis
An diesem Punkt denkst du vielleicht: „Das klingt alles nach fake sein und eine Rolle spielen.“ Verstehe ich. Aber hier kommt der Game-Changer: Körpersprache ist keine Einbahnstraße. Es gibt ein psychologisches Konzept namens „Embodied Cognition“ – die Idee, dass unser Körper unseren Geist beeinflusst, nicht nur umgekehrt.
Wenn du eine selbstbewusste Haltung einnimmst, steigt tatsächlich dein Selbstvertrauen. Wenn du offene Gesten verwendest, wirst du innerlich offener. Dein Körper formt deinen Geist genauso wie dein Geist deinen Körper formt. Es ist also keine Schauspielerei – es ist ein Werkzeug, um zu werden, wer du sein willst.
Wenn du lernst, destruktive Gesten zu vermeiden und stattdessen Körpersprache zu nutzen, die Kompetenz und Offenheit signalisiert, passieren zwei Dinge gleichzeitig: Andere nehmen dich anders wahr, und du fühlst dich tatsächlich kompetenter. Es ist ein Kreislauf, der sich selbst verstärkt.
Der kulturelle Elefant im Raum
Bevor wir hier zu dogmatisch werden: Körpersprache ist nicht universell. Was in Deutschland als selbstbewusst gilt, kann in Japan als unhöflich aggressiv wahrgenommen werden. Direkter Augenkontakt, der in westlichen Kulturen Ehrlichkeit signalisiert, kann in anderen Kulturen respektlos oder konfrontativ wirken.
Wenn du in einem multikulturellen Umfeld arbeitest – und das tun heute fast alle von uns –, ist Flexibilität gefragt. Die Grundprinzipien bleiben gleich: Achte auf Kongruenz zwischen deinen Worten und deinem Körper, sei dir deiner Wirkung bewusst. Aber die konkrete Umsetzung kann variieren. Ein guter Leader passt seine Körpersprache an den Kontext an, ohne seine Authentizität zu verlieren.
Von der Theorie zur Praxis: So trainierst du deine Körpersprache
All dieses Wissen hilft null, wenn es nur in deinem Kopf bleibt. Die gute Nachricht: Körpersprache kann man trainieren wie jeden anderen Skill auch. Hier sind konkrete Schritte, die wirklich funktionieren.
- Videoaufnahmen sind dein Freund: Nimm dich in verschiedenen Situationen auf. Meetings, Präsentationen, selbst informelle Gespräche. Ja, es ist brutal, sich selbst zuzuschauen. Aber du wirst Muster entdecken, die dir sonst nie auffallen würden.
- Hol dir echtes Feedback: Frag Leute, denen du vertraust, welche Gesten ihnen bei dir auffallen. Manchmal haben wir Angewohnheiten, die wir selbst komplett ausblenden.
- Eins nach dem anderen: Versuch nicht, alles gleichzeitig zu ändern. Pick die Geste, die dich am meisten sabotiert, und fokussiere dich darauf. Wenn die sitzt, nimm dir die nächste vor.
- Üb in sicheren Räumen: Teste neue Körpersprache erst in Low-Stakes-Situationen – beim Kaffee mit Kollegen, in informellen Gesprächen. Wenn es sich natürlich anfühlt, bring es in wichtigere Settings.
Was wirklich zählt: Authentizität über Perfektion
Bei all diesen Techniken und Tipps: Das Ziel ist nicht, ein perfekter Roboter zu werden, der nie einen Fehler macht. Das Ziel ist, bewusster zu sein, wie du wirkst, und die Gesten loszuwerden, die deine wahren Fähigkeiten verstecken statt sie zu zeigen.
Wenn du nervös bist, ist das okay. Wenn du manchmal die Arme verschränkst, weil dir kalt ist, ist die Welt nicht vorbei. Aber wenn deine unbewussten Gesten systematisch eine Story erzählen, die nicht dem entspricht, wer du bist und was du erreichen willst, dann ist es Zeit für Veränderung.
Erfolgreiche Führungskräfte sind nicht perfekt. Sie haben nur gelernt, sich selbst zu beobachten, anzupassen und trotzdem authentisch zu bleiben. Sie haben verstanden, dass alte Gewohnheiten manchmal losgelassen werden müssen, um die Person zu werden, die sie sein wollen.
Deine Körpersprache spricht jeden Tag, ob du es willst oder nicht. Die einzige Frage ist: Erzählt sie die Geschichte, die du erzählen möchtest? Jetzt kennst du die fünf größten Saboteure. Du hast die Chance, eine neue Geschichte zu schreiben – eine, in der dein Körper und deine Worte endlich im selben Team spielen. Und das ist keine Schauspielerei. Das ist einfach nur, endlich die Person zu zeigen, die du die ganze Zeit schon warst.
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