Wer regelmäßig Google Maps nutzt, macht sich oft keine Gedanken darüber, welche Datenspuren dabei hinterlassen werden. Die praktische Navigations-App ist für viele zum unverzichtbaren Begleiter geworden – sei es für die tägliche Fahrt zur Arbeit, spontane Restaurantbesuche oder Urlaubsreisen. Doch was die wenigsten wissen: Google Maps Timeline zeichnet detaillierte Reiserouten auf, die Monate oder sogar Jahre zurückreichen. Das Ergebnis ist ein umfassendes Bewegungsprofil, das mehr über euch verrät, als ihr vielleicht ahnt.
Was genau zeichnet Google Maps auf?
Der sogenannte Standortverlauf ist weitaus umfassender, als viele vermuten würden. Google speichert nicht nur, welche Orte ihr besucht habt, sondern auch wann genau ihr dort wart, wie lange ihr geblieben seid und welche Route ihr genommen habt. Diese Informationen werden in eurer persönlichen Timeline zusammengeführt – eine chronologische Übersicht eurer Bewegungen, die ihr in der Google Maps App jederzeit einsehen könnt.
Hier gibt es allerdings eine wichtige Änderung: Seit 2024 speichert Google diese Daten nicht mehr in der Cloud, sondern ausschließlich lokal auf eurem Gerät. Das ist eine grundlegende Umstellung im Vergleich zur früheren Praxis, bei der alle Standortdaten automatisch mit dem Google-Konto synchronisiert wurden. Trotzdem bleibt die Tatsache bestehen, dass Google ein vollständiges Profil eurer Gewohnheiten, Interessen und sozialen Kontakte erstellen kann. Wer beispielsweise regelmäßig bestimmte Fitnessstudios, Arztpraxen oder politische Veranstaltungen besucht, gibt damit sensible Informationen über seinen Lebensstil preis.
Warum ist das standardmäßig aktiviert?
Google argumentiert, dass der Standortverlauf nützliche Funktionen ermöglicht. Tatsächlich liefert er die Grundlage für personalisierte Empfehlungen, Verkehrsprognosen basierend auf euren üblichen Routen und praktische Erinnerungen wie „Wo habe ich geparkt?“. Die Timeline zeigt besuchte Orte, Routen und sogar Fotos, die an bestimmten Orten aufgenommen wurden. Sie kann auch dabei helfen, sich an vergangene Reisen zu erinnern oder Fahrten für die Steuererklärung zu dokumentieren.
Aus Googles Perspektive dienen diese Daten aber auch einem anderen Zweck: Sie ermöglichen präzisere Werbeanzeigen und verbessern die Datengrundlage für maschinelles Lernen. Je mehr Google über eure Bewegungsmuster weiß, desto wertvoller werdet ihr als Nutzer für das Geschäftsmodell des Unternehmens. Das Unternehmen verdient schließlich nicht an der kostenlosen App selbst, sondern an den Informationen, die ihr während der Nutzung bereitstellt.
Der fatale Fehler: Einfach drauflos navigieren
Der häufigste Fehler besteht darin, Google Maps nach der Installation einfach zu nutzen, ohne sich mit den Datenschutzeinstellungen auseinanderzusetzen. Viele Nutzer tippen bei der ersten Einrichtung reflexartig auf „Zustimmen“ oder „Weiter“, ohne die angezeigten Berechtigungen wirklich zu lesen. Das ist verständlich – wer möchte sich schon durch seitenlange Nutzungsbedingungen kämpfen, wenn man eigentlich nur schnell den Weg zum nächsten Restaurant finden will?
Genau hier liegt das Problem: Die Voreinstellungen sind bewusst so gewählt, dass sie für Google den größtmöglichen Nutzen bringen, nicht unbedingt für euch. Wer nicht aktiv widerspricht, stimmt der umfassenden Datensammlung zu – oft ohne es zu merken. Dieser Automatismus ist kein Zufall, sondern Teil einer durchdachten Strategie, die darauf setzt, dass die meisten Menschen den Weg des geringsten Widerstands gehen.
So überprüft ihr eure aktuellen Einstellungen
Bevor ihr Änderungen vornehmt, solltet ihr zunächst kontrollieren, ob der Standortverlauf bei euch überhaupt aktiv ist. Öffnet dafür die Google Maps App und tippt auf euer Profilbild in der oberen rechten Ecke. Wählt dann „Deine Zeitachse“ aus. Falls ihr hier eine detaillierte Übersicht eurer besuchten Orte seht, ist die Funktion aktiviert. Die Darstellung kann ziemlich aufschlussreich sein – manche Nutzer sind überrascht, wenn sie sehen, wie präzise Google ihre Bewegungen der letzten Monate dokumentiert hat.
Alternativ könnt ihr auch direkt in den Google-Kontoeinstellungen nachschauen. Ruft dafür die Google-Kontoeinstellungen auf und navigiert zu „Daten & Personalisierung“. Unter „Aktivitätseinstellungen“ findet ihr den Punkt „Standortverlauf“. Hier seht ihr auf einen Blick, ob die Aufzeichnung läuft und für welche Geräte sie aktiviert ist. Besonders interessant wird es, wenn ihr mehrere Android-Geräte besitzt – oft läuft die Aufzeichnung auf allen gleichzeitig.

Standortverlauf deaktivieren – so geht’s richtig
Wenn ihr euch gegen die Aufzeichnung entscheidet, habt ihr mehrere Optionen. Die radikalste Lösung ist die komplette Deaktivierung des Standortverlaufs. Geht dafür in der Google Maps App wieder auf euer Profil, wählt „Einstellungen“ und dann „Persönliche Inhalte“. Hier findet ihr die Option „Standorteinstellungen“. Deaktiviert den Schalter bei „Standortverlauf“. Google wird euch vermutlich mit Warnhinweisen darauf aufmerksam machen, welche Funktionen ihr damit verliert – lasst euch davon nicht beirren, wenn euch Datenschutz wichtiger ist als personalisierte Empfehlungen.
Wichtig zu verstehen: Selbst wenn ihr den Standortverlauf deaktiviert, kann Google immer noch euren ungefähren Standort ermitteln, solange ihr die Standortberechtigung für die App aktiviert lasst. Das ist notwendig, damit die Navigation funktioniert. Der entscheidende Unterschied: Diese Standortdaten werden dann nicht mehr dauerhaft in eurer Timeline gespeichert. Google nutzt die Informationen also in dem Moment, in dem ihr navigiert, speichert sie aber nicht für die Ewigkeit ab.
Vorhandene Daten löschen
Die Deaktivierung verhindert nur zukünftige Aufzeichnungen. Alle bereits gesammelten Standortdaten bleiben erhalten, bis ihr sie manuell löscht. In der Timeline habt ihr die Möglichkeit, einzelne Tage, bestimmte Zeiträume oder den kompletten Standortverlauf zu entfernen. Das kann besonders relevant sein, wenn ihr euer Smartphone verkaufen oder weitergeben wollt – auch wenn die Daten theoretisch an euer Google-Konto gebunden sind und nicht direkt auf dem Gerät liegen.
Besonders praktisch: Ihr könnt auch eine automatische Löschung einrichten. Wenn ihr die Zeitachse aktiviert, wird die automatische Löschung standardmäßig auf 3 Monate eingestellt. Alternativ könnt ihr auch Zeiträume von 18 oder 36 Monaten wählen. Das ist ein guter Kompromiss für alle, die die praktischen Funktionen nutzen möchten, aber nicht möchten, dass Google jahrelang ein vollständiges Bewegungsprofil aufbewahrt. Diese Option verbindet Nutzen mit einem vertretbaren Maß an Datenschutz.
Die Grauzone: Web- und App-Aktivitäten
Hier wird es etwas komplizierter: Selbst mit deaktiviertem Standortverlauf sammelt Google möglicherweise weiterhin Standortdaten über die sogenannten „Web- und App-Aktivitäten“. Diese separate Einstellung zeichnet auf, welche Google-Dienste ihr nutzt – und kann dabei auch Standortinformationen erfassen. Wenn ihr den Standortverlauf deaktiviert habt, werden eure Bewegungen nur nicht in der persönlichen Zeitachse dargestellt. Das hindert Google jedoch noch nicht daran, weiterhin eure Positionen aufzuzeichnen.
Für maximalen Datenschutz solltet ihr auch diese Einstellung überprüfen. In den Google-Kontoeinstellungen unter „Daten & Personalisierung“ findet ihr die „Web- und App-Aktivitäten“. Hier könnt ihr entweder die gesamte Funktion deaktivieren oder zumindest das Häkchen bei „Standort einbeziehen“ entfernen. Diese Trennung zwischen verschiedenen Tracking-Mechanismen ist bewusst undurchsichtig gestaltet – wer seine Privatsphäre ernst nimmt, muss sich durch mehrere Menüebenen kämpfen.
Bewusster Umgang statt blindes Vertrauen
Die wichtigste Lektion: Hinterfragt die Standardeinstellungen eurer Apps. Entwickler treffen diese Voreinstellungen nicht im Interesse der Nutzer, sondern im Interesse ihres Geschäftsmodells. Das gilt nicht nur für Google Maps, sondern für praktisch jede kostenlose App, die ihr nutzt. Die Faustregel lautet: Wenn ein Dienst kostenlos ist, seid ihr mit hoher Wahrscheinlichkeit das Produkt.
Nehmt euch nach der Installation neuer Apps fünf Minuten Zeit, um die Datenschutz- und Berechtigungseinstellungen durchzugehen. Diese kleine Investition kann eure Privatsphäre erheblich besser schützen als jede Antivirus-Software. Bei Google Maps bedeutet das konkret: Entscheidet bewusst, ob ihr den Komfort der personalisierten Funktionen höher bewertet als eure Privatsphäre – aber trefft diese Entscheidung aktiv, nicht aus Unwissenheit. Wer einmal verstanden hat, wie umfassend moderne Apps Daten sammeln, geht in Zukunft automatisch vorsichtiger mit Berechtigungen um.
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