Das ist das Verhalten, das erfolgreiche Menschen am Arbeitsplatz nie zeigen, laut Psychologie

Du kennst diese Person im Büro. Die, die sich bei jedem Meeting in den Vordergrund drängt. Die bei Erfolgen plötzlich überall auftaucht, aber bei Problemen wie vom Erdboden verschluckt ist. Die immer „Ich“ sagt, nie „Wir“. Und während du dich vielleicht fragst, warum diese Person nicht weiterkommt, haben Psychologen längst die Antwort gefunden: Es gibt ein bestimmtes Verhaltensmuster, das erfolgreiche Menschen am Arbeitsplatz konsequent vermeiden – und es könnte auch deine Karriere sabotieren, ohne dass du es merkst.

Die Wissenschaft hinter beruflichem Erfolg: Es ist nicht das, was du denkst

Vergiss alles, was du über Karriereerfolg zu wissen glaubst. Es geht nicht nur um deine Fähigkeiten, deinen Abschluss oder deine Arbeitsmoral. Eine bahnbrechende Metastudie von Wilmot und Ones aus dem Jahr 2022, veröffentlicht im renommierten Fachjournal Personality and Social Psychology Review, analysierte Daten von über 1,9 Millionen Menschen. Das Ergebnis? Der entscheidende Faktor für beruflichen Aufstieg ist etwas, das die meisten völlig unterschätzen: Verträglichkeit.

Moment mal – Verträglichkeit? Klingt erst mal soft und wenig karrierefördernd, oder? Aber hier wird es interessant. Im psychologischen Big-Five-Modell beschreibt Verträglichkeit entscheidend für beruflichen Aufstieg die Fähigkeit zur Teamarbeit, Empathie und den Respekt vor sozialen Normen. Menschen mit niedriger Verträglichkeit fallen durch genau das Gegenteil auf: übermäßige Eigenorientierung, mangelnde Rücksichtnahme und antisoziales Verhalten. Und genau dieses Muster ist das Gift für jede Karriere.

Was bedeutet das konkret für deinen Arbeitsalltag?

Zwei Kollegen, beide fachlich kompetent, beide arbeiten hart. Aber Person A schiebt sich ständig selbst ins Rampenlicht, unterbricht andere und nimmt sich den Kredit für Teamleistungen. Person B hört zu, teilt Erfolge mit dem Team und gesteht Fehler offen ein. Wem würdest du nach einem Jahr mehr vertrauen? Wen würdest du für eine Führungsposition empfehlen?

Die Antwort ist offensichtlich – und genau das beweist die Forschung. Das schädliche Verhalten, das erfolgreiche Menschen vermeiden, lässt sich auf einen Nenner bringen: übermäßige Eigenorientierung gepaart mit mangelnder Teamverträglichkeit. Es ist diese toxische Kombination aus „Ich zuerst“ und „Die anderen sind mir egal“, die Karrieren systematisch sabotiert.

Vertrauen: Die unsichtbare Währung, die deine Karriere macht oder bricht

Eine Studie von Development Dimensions International aus dem Jahr 2023 untersuchte, welche Verhaltensweisen am Arbeitsplatz Vertrauen aufbauen oder zerstören. Die Top-Vertrauensbauer waren überraschend simpel: aktives Zuhören, das Eingestehen von Fehlern und konsequente Verlässlichkeit. Menschen, die diese Eigenschaften zeigten, hatten nicht nur engagiertere Teams, sondern auch deutlich bessere Aufstiegschancen. Vertrauen durch aktives Zuhören entwickelt sich dabei als Schlüsselkompetenz erfolgreicher Führungskräfte.

Das Gegenteil – also genau das, was du vermeiden solltest – sieht so aus: Anderen nicht zuhören, Fehler auf andere abwälzen und unzuverlässig sein. Klingt nach gesundem Menschenverstand? Absolut. Aber im hektischen Büroalltag verfallen erstaunlich viele Menschen in genau diese Muster, oft ohne es zu merken.

Hier kommt der psychologische Knackpunkt: Vertrauen entwickelt sich in Phasen. Zunächst entsteht Grundsympathie – jemand wirkt kompetent und angenehm. Dann folgt echtes Interesse – die Person zeigt Engagement für gemeinsame Ziele. Schließlich kommt Verlässlichkeit – über Zeit beweist jemand, dass man sich auf ihn verlassen kann. Egozentrisches Verhalten sabotiert alle drei Phasen gleichzeitig. Wer nur eigene Interessen verfolgt, wirkt unsympathisch. Wer nicht zuhört, zeigt kein Interesse an anderen. Und wer Lorbeeren stiehlt oder Fehler verleugnet, beweist Unzuverlässigkeit.

Was Top-Führungskräfte anders machen

Eine faszinierende Studie von Botelho und Powell untersuchte, welche Eigenschaften erfolgreiche CEOs von weniger erfolgreichen unterscheiden. Das Ergebnis war überraschend: Es waren nicht die brillantesten Strategen oder charismatischsten Redner. Stattdessen waren es Menschen, die Beziehungen priorisierten, Anpassungsfähigkeit zeigten und bewusst Unzuverlässigkeit vermieden.

Diese Spitzenführungskräfte hatten verstanden, dass niemand alleine nach oben kommt. Sie bauten Netzwerke auf, investierten in ihre Teams und zeigten Bescheidenheit – selbst wenn sie hart für Ergebnisse kämpften. Sie vermieden das toxische „Ich-zuerst“-Verhalten, das mittelmäßige Manager so häufig zeigen.

Und hier wird es richtig spannend: Eine Metaanalyse von Judge und Kollegen aus dem Jahr 2001 zeigte, dass langfristige Arbeitszufriedenheit und Leistung stark von positiven sozialen Dynamiken abhängen – nicht von individualistischem Verhalten. Anders gesagt: Der einsame Wolf mag kurzfristig Aufmerksamkeit bekommen, aber langfristig gewinnt der Teamplayer.

Warum dieses Verhalten so verlockend ist und trotzdem schadet

Jetzt fragst du dich vielleicht: Wenn übermäßige Eigenorientierung so schädlich ist, warum zeigen sie dann so viele Menschen? Die Antwort liegt in unserer Biologie. Unser Gehirn ist evolutionär darauf programmiert, uns selbst zu schützen und zu promoten. In einer Welt voller Konkurrenz fühlt sich Selbstpromotion wie eine Überlebensstrategie an.

Das Problem: Was kurzfristig funktionieren mag – etwa durch ein lautes Ego einen Moment Aufmerksamkeit zu bekommen – scheitert langfristig spektakulär. In modernen Organisationen, wo Projektarbeit, Netzwerke und Empfehlungen entscheidend sind, ist soziale Isolation der Karrierekiller Nummer eins. Und genau dorthin führt egozentrisches Verhalten unweigerlich.

Der soziale Preis der Eigenorientierung

Denk an jemanden in deinem Arbeitsumfeld, der ständig nur von sich selbst spricht. Anfangs denkst du vielleicht: „Wow, selbstbewusst!“ Aber nach Wochen und Monaten ändert sich deine Wahrnehmung. Du bemerkst, dass diese Person nie fragt, wie es dir geht. Dass sie Ideen übernimmt, ohne Anerkennung zu geben. Dass sie in schwierigen Situationen verschwindet, aber bei Erfolgen plötzlich auftaucht.

Was passiert? Du verlierst das Vertrauen. Du hörst auf, wichtige Informationen zu teilen. Du arbeitest nicht mehr gerne mit dieser Person zusammen. Und das ist das Gift: In einer Arbeitswelt, die zunehmend auf Kollaboration basiert, ist Isolation tödlich für die Karriere.

Die Warnsignale: Zeigst du dieses Verhalten unbewusst?

Das Tückische an mangelnder Verträglichkeit ist, dass sie oft unbewusst passiert. Niemand steht morgens auf und denkt: „Heute werde ich ein egoistischer Teamkiller sein!“ Deshalb ist Selbstreflexion so wichtig. Hier sind konkrete Warnsignale, die du bei dir selbst checken solltest:

  • Du unterbrichst andere häufig in Meetings: Das signalisiert, dass deine Ideen wichtiger sind als die der anderen – ein klassisches Zeichen mangelnder Verträglichkeit.
  • Du verwendest überwiegend „Ich“ statt „Wir“: Achte auf deine Sprache. Sagst du „Ich habe das Projekt gerettet“ oder „Wir haben gemeinsam eine Lösung gefunden“?
  • Du verteidigst dich sofort bei Kritik: Statt zuzuhören und zu reflektieren, gehst du in den Rechtfertigungsmodus – das verhindert Wachstum und schädigt Beziehungen.
  • Du feierst Erfolge ohne das Team zu erwähnen: Erfolgreiche Menschen wissen: Jeder Erfolg ist ein Teamerfolg.
  • Du sprichst abfällig über abwesende Kollegen: Das zerstört Vertrauen schneller als fast alles andere.

Der transformationale Unterschied: So änderst du das Muster

Die gute Nachricht: Verhalten lässt sich ändern. Forschungen zum transformationalen Führungsstil, etwa von Zhu und Kollegen aus den Jahren 2013 und 2014, zeigen, dass Führungskräfte, die empathisch handeln und egoistische Muster bewusst vermeiden, nicht nur erfolgreicher sind, sondern auch zufriedenere Teams führen.

Was bedeutet das konkret? Erfolgreiche Menschen haben gelernt, ihre natürlichen egozentrischen Impulse zu kontrollieren. Sie fragen sich bewusst: „Wie wirkt mein Verhalten auf andere?“ Sie üben aktives Zuhören. Sie geben Anerkennung weiter. Sie gestehen Fehler ein, weil sie wissen, dass Verletzlichkeit paradoxerweise Stärke signalisiert.

Der Ripple-Effekt positiven Verhaltens

Wenn du aufhörst, übermäßig eigenorientiert zu agieren, und stattdessen Teamverträglichkeit zeigst, passiert etwas Magisches. Menschen vertrauen dir mehr. Sie teilen wichtige Informationen mit dir. Sie empfehlen dich für spannende Projekte. Dein Ruf verbessert sich organisch, ohne dass du dich ständig selbst promoten musst.

Das ist der Paradox des Erfolgs: Je weniger du dich in den Vordergrund drängst und je mehr du andere unterstützt, desto schneller kommst du voran. Die Wilmot-Studie mit ihren 1,9 Millionen Datenpunkten bestätigt genau das: Hohe Verträglichkeit führt zu besserer Kooperation, mehr Arbeitseinsatz von Teams und letztlich zu messbarem beruflichem Aufstieg.

Verträglichkeit ist nicht Schwäche

Ein wichtiges Missverständnis muss hier ausgeräumt werden: Verträglichkeit bedeutet nicht, eine Fußmatte zu sein. Es geht nicht darum, nie für deine Ideen einzustehen oder immer nachzugeben. Erfolgreiche Menschen sind durchaus durchsetzungsfähig – aber sie tun es auf eine Art, die andere mitnimmt statt ausschließt.

Der Unterschied liegt im Wie. Statt zu sagen „Das ist die beste Lösung, macht es so“, sagen sie: „Ich sehe das so – was denkt ihr darüber?“ Statt Lorbeeren zu stehlen, teilen sie diese bewusst. Statt Fehler zu verstecken, sprechen sie offen darüber und fragen: „Was können wir daraus lernen?“

Vielleicht ist es Zeit, unsere Definition von beruflichem Erfolg zu überdenken. Traditionell dachten wir an den rücksichtslosen Einzelkämpfer, der über Leichen geht. Die moderne Forschung zeigt ein völlig anderes Bild: Die wahren Gewinner sind die stillen Netzwerker, die großzügigen Mentoren, die verlässlichen Teamplayer. Sie sind erfolgreich, weil sie das schädliche Verhalten übermäßiger Eigenorientierung konsequent vermeiden. Sie haben verstanden, dass in einer vernetzten Arbeitswelt, wo Reputation digital ist und Empfehlungen alles bedeuten, Vertrauen die härteste Währung ist.

Dein nächster Schritt: Die ehrliche Selbstreflexion

Was machst du jetzt mit diesen Informationen? Der erste Schritt ist ehrliche Selbstreflexion. Nimm dir diese Woche bewusst Zeit, dein Verhalten am Arbeitsplatz zu beobachten. Wie oft sagst du „Ich“ versus „Wir“? Wie reagierst du auf Kritik? Gibst du Anerkennung weiter oder sammelst du sie?

Sei dabei nicht zu hart zu dir selbst. Wir alle haben egoistische Momente – das ist menschlich. Der Unterschied zwischen stagnierenden und erfolgreichen Menschen liegt nicht in der Perfektion, sondern in der bewussten Anstrengung, diese Muster zu erkennen und zu korrigieren.

Die psychologische Forschung ist eindeutig: Übermäßige Eigenorientierung und mangelnde Teamverträglichkeit sind die subtilen Karrierekiller, die erfolgreiche Menschen tendenziell vermeiden. Nicht weil sie Heilige sind, sondern weil sie verstanden haben, dass echter, nachhaltiger Erfolg immer ein soziales Konstrukt ist.

In einer Welt, die zunehmend auf Zusammenarbeit, Netzwerken und kollektiver Intelligenz basiert, ist die Fähigkeit, das eigene Ego zugunsten des Teams zurückzustellen, vielleicht die wertvollste Fähigkeit überhaupt. Und das Beste daran? Diese Fähigkeit kannst du ab heute trainieren.

Fang klein an: Höre heute einem Kollegen wirklich zu, ohne an deine Antwort zu denken. Gib morgen Anerkennung für eine Idee weiter, die du umgesetzt hast. Gestehe übermorgen einen Fehler ein, ohne dich zu rechtfertigen. Diese kleinen Schritte summieren sich zu einer großen Veränderung – nicht nur in deiner Karriere, sondern in der Art, wie Menschen dich wahrnehmen und mit dir arbeiten wollen. Denn beruflicher Erfolg bedeutet nicht, der Lauteste im Raum zu sein. Es bedeutet, die Person zu sein, der alle vertrauen, mit der alle gerne zusammenarbeiten und die alle weiterempfehlen, wenn sich die nächste große Chance ergibt.

Wem würdest du deinen wichtigsten Kunden anvertrauen?
Dem Lautesten im Raum
Der stillen Teamspielerin
Dem Selbstdarsteller
Der zuverlässigen Zuhörerin

Schreibe einen Kommentar